Caroline Bartz: „Kinder mit Autismus – 63 Alltagstools und Strategien“

Eines meiner Spezialthemen bei GEHIRN GENIAL-Seminaren ist ja ASS, die Autismus-Spektrum-Störung, mit dem Schwerpunkt auf frühkindlichem Austismus. Hierzu hatte ich bereits die Bücher von Temple Grandin / Catherine Johnson „Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier“, Naoki Higashida „Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann“, Silke Bauerfeind „Ein Kind mit Autismus zu begleiten, ist auch eine Reise zu sich selbst“ und Svenja Hold „Autismus bei Kindern: Der große Elternratgeber für den richtigen Umgang mit dem Asperger-Syndrom und anderen Autismus-Spektrum-Störungen“ vorgestellt. Ich möchte diese Werke nun mit dem Buch von Caroline Bartz „Kinder mit Autismus – 63 Alltagstools und Strategien“ abrunden.

„Kinder mit Autismus – 63 Alltagstools und Strategien“ von Caroline Bartz ist vor allem ein praxisorientierter Ratgeber für Eltern. Die zentrale Idee ist, auffälliges Verhalten nicht vorschnell als Trotz oder schlechte Erziehung zu betrachten. Wut, Verweigerung oder Rückzug können vielmehr Signale dafür sein, dass ein Kind gerade überfordert, gestresst oder von Reizen und Anforderungen überlastet ist.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist deshalb, die Auslöser von Stress frühzeitig zu erkennen. Das Buch beschäftigt sich mit Situationen wie Morgenroutine, Anziehen, Unterwegssein, Schule, Nachmittagen und Schlafengehen. Struktur, Vorhersehbarkeit, klare Kommunikation und ausreichend Pausen können dabei helfen, den Alltag für das Kind überschaubarer zu machen. Dabei soll nicht jedes Kind nach einem festen Schema behandelt werden, sondern herausgefunden werden, welche Strategien zum jeweiligen Kind passen.

Besonders ausführlich geht es um Meltdowns, Wutausbrüche und Shutdowns. Die Grundhaltung ist, während einer starken Überforderung möglichst wenig zusätzlichen Druck aufzubauen. Statt Diskussionen, Strafen oder ständigem Einfordern von „Vernunft“ stehen Sicherheit, Ruhe und Regulation im Vordergrund. Gleichzeitig sollen Eltern lernen, die persönlichen Warnzeichen ihres Kindes zu erkennen und möglichst schon vor einer Eskalation gegenzusteuern.

Ein weiterer Teil beschäftigt sich mit sozialen Beziehungen, Geschwistern, Schule und dem weiteren Umfeld. Das Buch zeigt, dass nicht nur das autistische Kind Unterstützung braucht, sondern die ganze Familie. Eine verständnisvolle Zusammenarbeit mit Lehrkräften und anderen Bezugspersonen kann helfen, Anforderungen besser anzupassen. Auch Geschwister sollen mit ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen gesehen werden.

Der umfangreichste praktische Teil ist die Toolbox mit 63 Alltagstools. Insgesamt verfolgt das Buch damit einen sehr alltagsnahen Ansatz: Verhalten beobachten → Ursache bzw. Überforderung verstehen → Umgebung und Kommunikation anpassen → passende Strategie ausprobieren → Kind und Familie entlasten. Zum Schluss wird auch die Selbstfürsorge der Eltern betont, denn die Begleitung eines autistischen Kindes kann sehr fordernd sein und Eltern brauchen selbst Unterstützung und Erholungsmöglichkeiten.

Inzwischen kenne ich, einerseits durch die langjährige Tätigkeit meiner Schwester als ASS-Schulbegleiterin sowie Kontakte vor und nach Seminaren bzw. den Herbert-Feuchte-Stiftungsverbund und natürlich aus eigenem, familiären Erleben, einige Kinder bzw. Jugendliche mit ASS und – natürlich – ist jeder einzelne Mensch individuell anders ausgeprägt. Im Buch von Caroline Bartz finden sich jedoch viele Beispiele und Strategien, die allgemein weiterhelfen, wenn man sich als Eltern, Großeltern und/oder Familenangehöriger mit dem Kind / Jugendlichen / Menschen befasst.

Rainer W. Sauer / Jena, im August 2026

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*